multi touch gestures: books, 2015

Von verteidiger-innen des buchs als objekt wird immer wieder die haptik ins spiel gebracht. wie schön es sei ein buch in der hand zu halten, das hard- oder soft cover zu spüren während sich der geist irgendwo weit weg der materiellen gegenwart befindet. die seiten umblättern, ein blatt zum merken falten, mit schlechtem gewissenan die ränder kritzeln... das handwerkliche ist mir deswegen so wichtig weil ich, wenn meine hände material angreifen und daraus etwas formen (mit dem material oder gegen widerstände), besser denken kann. das berühren fokussiert. 
der einwand der überfülle der dinge, die uns ohnehin schon umgeben und belasten (nicht nur die umwelt wie immer klarer wird, sondern auch, wie manche  meinen, geist und seele), taugt hier nicht. Im bewussten berühren, erspüren, handhaben lernen trainiere ich mich, mit den dingen und den materialien sorgsam umzugehen. Es wird klar: die herstellung hat einen wert (den wert der zeit, den wert des ursprungs). Wenn ich achtsam bin, ordnen sich die dinge, sie bekommen einen hauch von seele, machen sinn. Das berühren (touching) im prozess des herstellens ist dann ähnlich dem prozess des lesens (lesen im übertragenen sinn). Ich berühre die bücher, die gedanken berühren uns, über die objekte berühren wir einander